D i a n a

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Königin der Herzen

Mutter & Prinzessin

D i a n a

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Sie war ein außergewöhnlicher Mensch. Ich bewundere ihre Energie & ihr Engagement, besonders ihre Hingabe. "Niemand wird sie je vergessen."  Sie war ein Engel auf Erden, jetzt ist sie ein Engel im Himmel.

 

 

 

 

 

 

 

Mit ihr konnte man mitgeben & mitleiden: vom Aschenputtel zur Prinzessin; Traumhochzeit, Kinder, Ehekrieg, Scheidung, Bulimie, Suizidgedanken, Liebschaften, Luxus, ein bisschen soziales Engagement, dann der tödliche Unfall. Miss Spencer war eine unauffällige, völlig durchschnittliche Frau. Erst die Windsorbühne & die Medien machten aus ihr eine "Highness". Actress in a royal soapopera. Viel mehr Schein als Sein. "Compassion" soll der Hauptcharakterzug der Lady gewesen sein. Man kann das mit "selbstloser Menschlichkeit" oder "Mitleid" übersetzen. Diese christliche Tugend hatte die Missionsschwester in viel höherem Maße. Die Mutter der Elenden war in dieser Welt, aber sie verlor sich nicht an sie. Die Prinzessin der Medien war ganz von dieser Welt & hatte sich ihr ausgeliefert. Während des Treffens der beiden im Sommer 1997 in New York stehen sie einander gegenüber. Die Prinzessin beugt sich zu der körperlich viel Kleineren hinab. Mutter Theresa hebt zunächst ihre Aneinandergelegten Handflächen zum Friedensgruß. Doch dann wird der Gestus der knöchernen Finger zum Segen. "Wer segnet, ist ohne Zweifel größer als der, der gesegnet wird." (Hebräer 7,7) Elton John hat während des Trauergottesdienstes für Lady Di ein Lied gesungen, das er ursprünglich Marilyn Monroe gewidmet hatte. Auf diese Ebene des zum Mythos hochstilisierten Stars gehört Diana. Zu einer Heiligen taugt sie nicht. Es gibt bessere Vorbilder.

 

 

 

 

 

 

 

Der Mythos Lady Diana und seine Hintergründe

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Das Massenphänomen der Verehrung für Lady Diana Spencer, das in den letzten Wochen die Medien beherrscht hat, analysieren die Zeitungen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale in folgendem Kommentar. Wie ist die unglaubliche Verehrung für Lady Diana, die Prinzessin von Wales, zu erklären? Warum waren Millionen einfacher Menschen in Großbritannien und anderen Ländern so tief von ihrem Tod betroffen? Um diese Fragen beantworten zu können, ist es zunächst notwendig, kurz ihr Leben zu beleuchten. Diana, Kind aus einer gescheiterten adeligen Ehe, wurde im Alter von neun Jahren auf ein exklusives Internat geschickt. Sie durchlebte eine emotional, intellektuell & kulturell öde Kindheit.

 

 

 

 

 

 

 

Als sie mit knapp 19 Jahren Prinz Charles heiratete ohne ihn zu lieben, begann damit eine Spirale des physischen & moralischen Verfalls von Diana, die schließlich mit ihrem gewaltsamen Tod im Alter von 36 Jahren endete. Das Haus Windsor wählte für den Thronfolger die junge Lady Diana Spencer als Gemahlin aus, weil sie eine makellose aristokratische Herkunft aufweisen konnte, gleichzeitig aber recht naiv & ohne erkennbare geistige Fähigkeiten war. Es schien, dass sie leicht form- & manipulierbar sein, bereitwillig einen Erben liefern & über das Dauerverhältnis von Charles mit Camilla Parker-Bowles hinwegsehen würde. Diana wurde zu einem Zeitpunkt zur königlichen Braut gemacht, als die wachsende soziale Polarisierung unter der Thatcher-Regierung zu einem Ansehensverlust der Monarchie führte. Die Hochzeit sollte den Ruf der königlichen Familie wieder etwas aufpolieren, nachdem sie im neuen Zeitalter des Thatcherismus als kalt, weit weg & irgendwie überflüssig angesehen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

In den folgenden Jahren wurden Diana & ihr Image von den Medien & dem Establishment immer wieder aufs Neue umgemodelt. Zuerst dargestellt als "junge Unschuld", diente sie bald den aufstrebenden Mittelschichten zum Vorbild. Damals entstand der Mythos ihrer "Gewöhnlichkeit". Sie wurde als erfrischender Gegensatz zur alten Aristokratie dargestellt, als eine moderne Kindergärtnerin, die mit Freundinnen zusammenwohnte & einen Kleinwagen fuhr. Bald jedoch, den stürmischen Zeiten von Thatchers Volkskapitalismus entsprechend, wurde ihr ein neues Image verpasst. Das ziemlich plumpe junge Mädchen nahm ab & wurde neu eingekleidet. Sie wurde zur lebendigen Verkörperung des achtziger Jahres-Märchens von Reichtum, Designer-Kleidern & rauschenden Parties. Sie wurde ein Symbol der im Zusammenhang mit der Globalisierung aufsteigenden Schichten der Bourgeoisie & der neureichen Glitzerwelt der Mode & Popmusik. Die Neuerschaffung Dianas war zunächst enorm erfolgreich & erhöhte in allen Schichten der Bevölkerung das Ansehen der Königsfamilie ungemein. Hinter der Fassade begann das unerfahrene & unreife Mädchen jedoch unter dem Druck einer arrangierten Heirat zu zerbrechen, die sie in eine der skrupellosesten Familien der Welt gestoßen hatte. Während sie nicht über die Daueraffäre von Charles mit Camilla hinwegkam, ärgerte er sich über ihre größere Popularität. Depressionen, Essstörungen & Selbstmordversuche folgten. Die Kluft zwischen ihr und Charles drang immer mehr an die Öffentlichkeit & ihr Verhältnis nahm immer unappetitlichere Formen an.

 

 

 

 

 

 

 

Diana bemerkte jedoch bald ihre Medienwirksamkeit, begann darin Trost zu suchen & sie als Waffe gegen ihre Peiniger einzusetzen. Immer bewusster diente sie damit einer bestimmten Fraktion in den herrschenden Kreisen Großbritanniens im Streit um die Zukunft der Monarchie als Figur auf dem Schachbrett. Mächtige Institutionen der Gesellschaft wie Rupert Murdoch & sein Medienimperium [vergleichbar dem deutschen Springer-Konzern oder Leo Kirch] sehen die königliche Familie als ein Fossil an, das wenig hilfreich ist, mit sozialen Unruhen im eigenen Land Fertigwerden oder im Zeitalter der Globalisierung die Interessen des britischen Kapitals im Ausland durchzusetzen. Erbarmungslos benutzten sie Diana, um das Ansehen des Hauses Windsor zu untergraben. Nach ihrer Scheidung graste Diana, ähnlich wie es vor ihr Jackie Kennedy gemacht hatte, den Erdball nach einem passenden Partner ab. Sie suchte einen, der über genügend Mittel verfügte, um ihr die Aufrechterhaltung ihres verschwenderischen Lebensstils & ihrer hohen öffentlichen Präsenz zu ermöglichen. Das war die Grundlage ihrer Beziehung zu Dodi, dem ältesten Sohn & Erben von Mohamed Al Fayed, einem der wenigen Milliardäre auf der Welt, deren Reichtum den der Königin noch übersteigt. Dianas Scheidungsregelung mit den Windsors bescherte ihr ein Privatvermögen von etwa 150 Mio. DM – eigentlich eine ungeheure Menge Geld, das aber kaum ausreichte, um die Kosten für den Kensington-Palast & ein königliches Gefolge zu bestreiten.

 

 

 

 

 

 

 

Mohamed Al Fayed war ein typischer Vertreter der aufsteigenden internationalen Bourgeoisie. So gehörten ihm etwa solche früheren nationalen Institutionen wie Harrods in Großbritannien & das Hotel Ritz in Paris. Trotzdem verweigerte ihm das Establishment die britische Staatsbürgerschaft. Er wurde zu einer Schlüsselfigur bei der Wahlniederlage von John Majors Tory-Regierung, als er enthüllte, dass führende Parlamentarier für Anfragen im Parlament & andere politische Gefälligkeiten Bestechungsgelder angenommen hatten. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Al Fayed überglücklich über die Beziehung seines Sohnes mit Diana war. Es heißt, dass seine Familie plante, die Residenz, die der frühere britische König Edward nach seinem Thronverzicht mit Mrs. Simpson in Frankreich bezogen hatte & die nun ebenfalls Al Fayed gehörte, zum Heim von Dodi & Di zu machen. Das wäre praktisch einer Monarchie im Exil gleichgekommen, mit Dodi als dem Stiefvater eines zukünftigen Königs. Für die Windsors & ihre Anhänger bedeutete Dianas Beziehung mit Dodi eine unerträgliche Situation. Auch wenn man von Spekulationen über einen politischen Anschlag absieht, muss der Tod Dianas vom königlichen Lager doch mit ziemlicher Erleichterung aufgenommen worden sein. Dem Königspalast nahe stehende Quellen ließen verlauten, die Thronfolge sei nun weit weniger problematisch, da die zwei Prinzen William & Harry jetzt mit ihrem Vater lebten & sich nicht zwischen zwei Elternteilen entscheiden müssten.

 

 

 

 

 

 

 

Es stellte sich jedoch rasch heraus, dass jeglicher klammheimlicher Freund im Hause Windsor absolut verfehlt gewesen wäre. Dianas Tod brachte die Krise zum Überkochen & die königliche Familie zum Schwitzen. Die britischen Medien verschärften ihre Kampagne gegen sie & führten eine immer offenere Diskussion über die "unsichere Zukunft" der Monarchie. Eine Zeitung, der Independent, schrieb am 2. September: "Viele Leute machen den Prinzen von Wales für das unglückliche Ende seiner Ex-Frau verantwortlich... Wenn er & sein Tross denken, dass nach den Trauerfeierlichkeiten alles wieder wie vorher sein werde, täuschen sie sich. Notwendig ist jetzt eine Zeit ernstes Nachdenkens über die Zukunft des Hauses Windsor." Neben dem Independent fordern jetzt auch solch einflussreiche Sprachrohre des britischen Finanzkapitals wie die Financial Times Tony Blair & die Labour-Regierung auf, die Königsfamilie zu einer Verfassungsreform zu zwingen. Im Zentrum dieser Forderungen steht, dass Labour eine neue Monarchie schaffen soll, mit der die Zerstörung der Reste des Wohlfahrtsstaates durchgesetzt werden kann. Der frühere Außenminister Douglas Hurd schrieb dazu im London Daily Telegraph vom 2. September: "Massive freiwillige & wohltätige Anstrengungen sind notwendig, um diejenigen zu retten, die von Staat und Unternehmen nicht versorgt werden können, um Minderheiten zu helfen, um neue Formen von Dienstleistungen zu erproben, & um künstlerische Schaffenskraft zu fördern... genau hier kann das moderne Königtum glänzen."

 

 

 

 

 

 

 

Während die britische herrschende Klasse alle Sozialleistungen zerstört, werden die Opfer der Gesellschaft Wohltätigkeitseinrichtungen & privater Menschenfreundlichkeit überantwortet. Die Rolle Dianas in dieser Entwicklung, der sie als Galionsfigur & Fürsprecherin diente, wurde dabei als Modell für die Monarchie gesehen. Jede Einzelheit ihrer Wohltätigkeitsarbeit war sorgfältig zu diesem Zweck inszeniert. Deshalb haben ihre bevorzugten Wohltätigkeitsprojekte einen wichtigen Platz im Leichenzug eingenommen. Dianas letzter Tag war ein Ausdruck der Leere und Oberflächlichkeit ihres ganzen Lebens. Sie begann ihn damit, ziellos auf dem Mittelmeer vor der Küste Sardiniens umherzusegeln. Dann flog sie in einem Privatjet von Harrod nach Paris, machte einen Einkaufsbummel über dem Champs-Elysées & tafelte anschließend im Ritz. Sie & Dodi waren gerade auf dem Weg von einem Luxushotel zu einer Luxusvilla, als sie nach einer rasenden Trunkenheitsfahrt im Blitzlichtgewitter starben. Obwohl die Explosion des Volkszorns gegen das Verhalten der Medien durchaus nicht unangebracht ist, hat Diana die Medien fast ebenso sehr umworben – & gebraucht – wie umgekehrt. Zweifellos gibt es ein tragisches Element in Dianas Leben. Damit lässt sich jedoch nicht der Ausbruch von allgemeiner Verehrung & öffentlicher Trauer erklären, die ihr Tod hervorgerufen hat.

 

 

 

 

 

 

 

Dass Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Diana für eine humanitäre Heldin halten, für eine Vertreterin der Unterdrückten, ist sicher teilweise auf die massive Kampagne der Medien zurückzuführen. Die Glorifizierung Dianas ist zur größten PR-Aktion der jüngeren Weltgeschichte geworden. Fast alle Medien der Welt haben mit nervtötender Berichterstattung 24 Sunden am Tag damit zugebracht, sie als Gegnerin des Establishments, als Rebellin & Verteidigerin der Armen darzustellen. Nationale Trauertage sind ausgerufen, zahlreiche Gottesdienste abgehalten, "unpassende" Filme & Sportveranstaltungen abgesetzt worden. Die Medienkampagne ist aber nicht der einzige Faktor. Die Reaktion der Massen beinhaltet eine komplexe Mischung aus verwirrten Gefühlen, Wünschen & Sehnsüchten. Ein Interview nach dem anderen brachte aus der Schlange von Zehntausenden, die bis zu elf Stunden anstanden, um sich in Kondolenzbücher einzutragen, feindliche Äußerungen über die Königsfamilie. Ein großer Teil einer ganzen Generation hat sich mit Diana identifiziert, träumt von ihrem Leben & ihrem Reichtum, weil die Wirklichkeit ihres eigenen Lebens immer leerer & öder wird.

 

 

 

 

 

 

 

Mitte des letzten Jahrhunderts schrieb Karl Marx, dass die Religion "der Seufzer der Unterdrückten" & "das Herz einer herzlosen Welt" ist. Heute, am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, ist die neue Religion – die endlose Faszination der Millionen durch die "Heldentaten" der Reichen & Berühmtheiten, die Illusionen, die von Hollywood & den Massenmedien erzeugt werden – ein widersprüchlicher Ausdruck der Unzufriedenheit & Entfremdung breiter Massen unter dem Eindruck der Eintönigkeit & Mühsal ihres täglichen Lebens. Wenn Diana als "Heldin" angesehen wird, so deshalb, weil es in den letzten Jahrzehnten keine wirklichen Helden gegeben hat – keine historischen Persönlichkeiten, die tatsächlich für eine echte Perspektive gesellschaftlicher Veränderung gekämpft haben. Millionen einfacher Menschen werden mit immer größerer Unsicherheit, wachsenden finanziellen Schwierigkeiten & tiefen persönlichen Krisen belastet. Sie sehen sich dabei ganz auf sich allein gestellt, von ihren alten Parteien & Führungen völlig im Stich gelassen. Der jahrzehntelange Angriff auf das sozialistische Bewusstsein der Arbeiterklasse – der sich in dem schrecklichen Verfall der Kultur & dem allgemeinen Mangel an kritischem Denken ausdrückt – lastet schwer auf der Gegenwart.

 

 

 

 

 

 

 

.Das Phänomen Diana

Am 31. August 1997 starb Diana, Prinzessin von Wales, in einem Pariser Autobahntunnel. Mehr als eine Million Menschen folgten vor einem Jahr dem Trauerzug durch die Londoner Innenstadt, 290.000 trugen sich in die Kondolenzbücher ein. Tony Blair gab ihr den Namen "Prinzessin des Volkes" & nannte sie in Analogie zur seiner gerade gewählten "New-Labour"- Regierung eine Vertreterin des "Neuen Britanniens". Selbst Vertreter des linken Kleinbürgertums schlossen sich der Trauergemeinde an. Der Weekly Worker, die Zeitung der Kommunistischen Partei Großbritanniens, schilderte den Umzug hinter Dianas Sarg als "Bewegung der Unterdrückten". Noch kürzlich meinte die Feministin Beatrix Campbell, die früher für Marxism Today schrieb, Diana habe sich "eingereiht in den Kreis der Zurückgestoßenen..., der Überlebenden des Holocaust, der Weltkriege & Pogrome, des Vietnamkriegs & der Bürgerkriege Südamerikas & Südafrikas, der Folter & des Kindesmissbrauchs."

 

 

 

 

 

 

 

Heute, ein Jahr später, weht ein etwas anderer Wind um das Phänomen "Diana". Am 23. August veranstaltete ein Verein aus dem Norden Londons eine Wohltätigkeits-Wanderung entlang der Route des Trauerzugs. Es sollte der Auftakt einer Veranstaltungswoche zum Gedenken an die Prinzessin werden, man rechnete mit mehr als 15.000 Teilnehmern. Aber gerade einmal 200 Menschen kamen zusammen, ein Flop, der dem Verein einen Schuldenberg von 25.000 Pfund bescherte. Selbst in der Geistlichkeit wurden Stimmen von Dissidenten laut. Im September letzten Jahres hatte sie noch enthusiastisch die Welle des "religiösen Erwachens" begrüßt, die das Land überflutet hatte. Jetzt erklärte Lord Coogan, der ehemalige Erzbischof von Canterbury, Diana zu einer "falschen Göttin mit recht losen Sitten" & einer "gewisslich recht losen Sexualmoral". Einige Tage zuvor hatten Sonntagsprediger den Zorn von Dianaverehrern & -verehrerinnen auf sich geladen, als sie im Kindergottesdienst verkündet hatten, Diana sei wohl "zur Hölle gefahren", weil sie ihren unchristlichen Lebensstil nicht bereut hätte.

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich gibt es auch Leute, die sich darum bemühen, das Image von Diana als der "Prinzessin des Volkes" aufrechtzuerhalten. Dazu zählen in erster Linie die unzähligen Souvenirhändler & Veranstalter von Gedenkfeierlichkeiten. Der Memorial Fonds, der schon fünf Tage nach dem Autounfall eingerichtet worden war, ist auf 370 Millionen Pfund an Spendengeldern angewachsen. Ungefähr 80 Millionen davon sind auf Grund von Verträgen mit Firmen hereingekommen, die es darauf abgesehen hatten, das Logo mit der Unterschrift Dianas für ihre Produkte zu verwenden. Der Fonds schlägt sich ständig mit Vertretern der millionenschweren Souvenirindustrie herum, um die Oberhand über das Copyright für "Dianas geistige Urheberrechte" zu behalten. Er hat 50 Unterlassungsverfügungen an Firmen verschickt, die den Namen der Prinzessin ohne Erlaubnis verwenden. In den Vereinigten Staaten klagt die Firma Bradford Exchange aus Illinois gegen den Memorial Fonds, damit er der Firma das Recht zuerkennt, Diana-Souvenirs anzufertigen. Die Firma vertreibt zum Beispiel eine Musik-CD, auf der die Originalmelodie von "Candle in the Wind" ergänzt durch die Worte "erhalte sie am Leben" zu hören ist. Sir Elton war alarmiert, weil hier möglicherweise sein Urheberrecht verletzt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Kritik musste der Fonds einstecken, weil er die "Geschmacklosigkeit" erlaubt hatte, dass Margarinedosen der Marke Flora mit Dianas Logo geschmückt werden. Bis jetzt hatte er lediglich Kerzenhalter, eine Briefmarkenserie, ein CD-Album, zwei Emaildosen und einen Teddybär namens Diana zugelassen. Zu den Produkten, denen das Logo verweigert wurde, gehören unter anderem ein Toilettendeckelbezug & ein Autoaufkleber mit den Worten "bye Di". Trotz dieser Versuche, ein Minimum an gutem Geschmack zu bewahren, ist Diana zum Elvis Britanniens geworden & hat ihr eigenes "Graceland" bekommen. Die Stallungen des Landsitzes der Familie Spencer in Althorp sind in ein Museum verwandelt worden. Für 9,50 Pfund können Besucher Videos über das Leben der jungen Diana zu Hause anschauen, ihre Schulzeugnisse einsehen, eine Sammlung ihrer Kleider bewundern & einen Blick über den See auf die Insel werfen, wo sie begraben ist. Zugegeben, all dies hat etwas von einer Farce, dennoch wirft es durchaus ernste Fragen auf.

 

 

 

 

 

 

 

Siebzehn Jahre lang wurde der Lebenswandel des königlichen Paares einer minutiösen & erschöpfenden Berichterstattung durch die Medien der ganzen Welt unterworfen. Eine kleine Armee von Paparazzi folgte Diana über den ganzen Erdball in dem Bemühen, die Reichen & Berühmten tagein tagaus zu glorifizieren. Das Gute an Ms. Spencer war, dass sie das königliche Gehabe mit einem opulenten Lebensstil verband, wie er im Showbusiness üblich ist, der sich nachempfinden & sogar nachahmen ließ. Ihre spätere Scheidung lieferte die notwendigen Ingredienzien der Seifenoper nach - Sex, Intrigen & Verrat. Alle Reichtümer Dianas konnten nicht verhindern, dass sie unter einem Ehemann, der sie vernachlässigte, einer zerstörten Familie & psychischen Problemen zu leiden hatte. Glaubt man den Medien, dann war dies der Grund dafür, dass sich so viele Menschen mit ihr identifizierten. Dies war das Hauptthema, das nach ihrem Tod sogar von denen hochgespielt wurde, die ihr vorher kritisch gegenübergestanden hatten. Wie bei allem, was mit der Prinzessin zusammenhing, spielte auch bei der offensiven Medienkampagne das Geld die Hauptrolle. Die Medien hatten Diana für äußerst nützlich gehalten, um ihre Auflagen zu steigern, als sie noch am Leben war, & nahmen ihren Tod zum Anlass, die königliche Milchkuh aufs neue zu melken.

 

 

 

 

 

 

 

Gleichzeitig wurde dabei aber auch noch ein ganz anderer, viel grundlegenderer Zweck verfolgt. Das Leben von Millionen Menschen ist von brutaler Härte, Unsicherheit & vollkommener Sinnlosigkeit geprägt. Durch die Identifikation mit einer verkommenen Aristokratin soll ihr kritisches Bewusstsein abgetötet & der soziale Unmut in harmlose Kanäle gelenkt werden. Einige hatten behauptet, die Besorgnis um das persönliche Schicksal der Prinzessin könnte dazu führen, dass Wünsche nach der Abschaffung der Monarchie laut werden. Dies erweist sich im Nachhinein als ziemlich lächerlich. Es stimmt natürlich, dass Teile der herrschenden Klasse Diana als Vehikel benutzt haben, um ihren Forderungen nach einer Verfassungsreform Nachdruck zu verleihen. In den letzten beiden Jahrzehnten ist eine märchenhaft reiche Schicht entstanden, deren Vertreter glauben, dass sie & nicht das verknöcherte Establishment, dessen Sinnbild die Monarchie ist, das politische Leben der Nation bestimmen sollten. Diana verbündete sich mit diesen Schichten in der Hoffnung, ihr Sohn würde anstelle von Prinz Charles der nächste König werden. Unmittelbar nach ihrem Tod schien es so, als würden diese Schichten die Oberhand gewinnen. Die Labour-Regierung selbst versprach "radikale Reformen" der Monarchie. Die Zeitungen äußerten Befürchtungen, die Königin könnte beim Begräbnis Dianas mit Buhrufen geschmäht werden.

 

 

 

 

 

 

 

Graf Spencer, ihr Bruder, nutzte seine Rede bei der Trauerfeier für Diana, um der königlichen Familie mit dem wachsamen Auge ihrer "Blutsverwandten" zu drohen & erhielt herzlichen Applaus von der draußen wartenden Menge. Mohamed Al-Fayed, der Vater von Dianas Playboy-Liebhaber, war so kühn, von einer Verschwörung "dunkler Mächte" zu sprechen - die sich vermutlich um die Monarchie geschart hätten - um seinen Sohn daran zu hindern, die Mutter des künftigen Königs von England zu heiraten. Aber wie stehen die Dinge heute? Die Glorifizierung dieser schmutzigen Intrigen - sogar Arbeiter wurden dazu verleitet, sich mit der einen oder anderen Figur zu identifizieren - hat der herrschenden Klasse erlaubt, ihre internen Fehden ohne unbotmäßige Unterbrechungen fortzusetzen. Diejenigen, die ergriffen waren von Dianas "fürsorglicher Persönlichkeit" & ihrer "einfachen Menschlichkeit", sind noch genauso leichtgläubig, wenn heute der königlichen Familie dieselben Tugenden angedichtet werden. Die Queen hat seither auf ihre Ratgeber in Sachen Öffentlichkeitsarbeit gehört & sich beim Schwätzchen in einer Kneipe, vor McDonalds & lachend zusammen mit einem Popsänger mit Rosagefärbten Haaren fotografieren lassen. Die Presse hat inzwischen Charles als pflichtbewussten "alleinerziehenden" Vater präsentiert, der seine wirkliche Liebe dem Wohle der Nation zum Opfer gebracht hat. Nach den jüngsten Umfragen ist die öffentliche Unterstützung für die Monarchie im Laufe des letzten Jahres wieder auf alte Höhen geklettert, die Popularität von Charles hat zugelegt.

 

 

 

 

 

 

 

Blair verbringt den diesjährigen Todestag von Diana zusammen mit der Queen auf Schloss Balmoral. Er kündigte an, seine nicht näher spezifizierten Reformen seien vorläufig ad acta gelegt. Earl Spencer wurde von der Presse wegen seines eigenen unappetitlichen Scheidungsprozesses niedergemacht, in dem er als grausamer, ewig betrunkener Ehebrecher an den Pranger gestellt wurde, der seine Ehefrau bis zur Bulimie getrieben habe. Al-Fayeds 12jährige Sponsorenschaft für die Pferdeleistunkschau des Hauses Windsor wurde beendet, & das Kaufhaus Harrods, das ihm gehört, soll im Gegenzug seine königlichen Privilegien verlieren. Einige Zeitungen haben Al-Fayed vorgeworfen, er sei verantwortlich für Dianas Tod, weil sein Hotel, das Ritz, einen trunksüchtigen Chauffeur beschäftigte. Schon auf den Höhepunkt des von den Medien entfachten Dianafiebers hatten sich viele Menschen von dem Presserummel nicht mitreißen lassen. Zuschauerproteste erzwangen zum Beispiel, dass der Sender BBC 2 schon eine Woche nach dem Unfalltod zu seinem normalen Programmablauf zurückkehren musste. Eine Untersuchung des British Film Institute hat herausgefunden, dass 50 Prozent der Befragten von Dianas Tod "eigentlich nicht" berührt waren. Viele der in dieser Woche Interviewten sagten, dass Großbritannien im letzten Jahr im September eine recht finstere Zeit des kollektiven Wahnsinns durchlebt habe. Das helle Tageslicht wird es jetzt hoffentlich ermöglichen, ernsthaft zu hinterfragen, wie es zu diesem merkwürdigen Zustand kommen konnte.

 

 

 

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